Dass Goethe etwas Spannung in der Liebe sah ist nicht unbekannt. Heutzutage würde man von „crushes“ oder „one-sided-love“ sprechen. Aspekte, die in vielen Serien, Romanen und Kinohits zu sehen und zu lesen sind.
Was würde also passieren, wenn man auch eins von Goethes Werken in die heutige Zeit bringen würde, wenigstens szenisch? In der Alten Feuerwache konnte man am 11.3 Raimund Widra in dieser Reloaded-Version erleben.
Eine 60-minütige One-Man-Show, die die Leiden zum Leben erweckte.
Ein Schreibtisch, ein Stuhl, ein Mikrofon, ein Mixer, eine Mini-Cam und ein Fernseher und das Reclam-Heft.
Widra betritt die Bühne und geht sofort zum Ausgang, um sich zu vergewissern, dass die Tür auch wirklich zu ist. Nachdem er wieder an seinem Schreibtisch sitzt und sich daran macht, aus dem Reclam Heftchen zu lesen, kommen ein paar Nachzügler an. So wird Werther wieder zu Widra und vergewissert sich, dass die Gäste auch wirklich das Ticket hatten … ist sich nicht sicher, ob er wieder alles auf Anfang setzen sollte… aber was solls… das leben muss weitergehen und planen bringt ja nichts. Werther wusste das Lotte vergeben war an Alfred, aber kann es nicht lassen, sich in sie zu verlieben. Der Schritt von Liebe zu Obsession ist sehr kurz, und schon findet man sich dabei, den Namen zig-Male zu nennen, vorwärts, eine Party zu schmeißen und das Publikum zu „zwingen“ Merry Xmas für Lotte zu singen.
Der schmale Grat zwischen Realität und Fantasie verschwindet und verleiht das Gefühl, dass es doch ein Happy End werden könnte, wenn da bloß Albert nicht wäre (seine Rückkehr wurde ja nicht gestrichen), der ja ganz brav ist und nett. Und man kann ja dies nicht zerstören… oder?
Im Publikum, das aktiv bei der Vorstellung mit einbezogen wird, entsteht die Hoffnung, dass dieser Werther doch ein anderes Ende finden könnte, ein Happy End.
Aber das bittere Ende bleibt da auch weil Werther nicht Herr seiner Gefühle werden kann und nicht gegen die Konventionen verstoßen will.
Elisa Cutullè
Foto: (c) Honkphoto